Produktinformationsblatt – PIB

Das gesetzliche Produktinformationsblatt – PIB für Verbraucher

Das Produktinformationsblatt der Basisrente (Rürup-Rente): Dein Schlüssel zum fairen Vergleich

Du willst eine Rürup-Rente abschließen und stehst vor einem Berg von Angeboten? Hochglanzprospekte versprechen traumhafte Renditen, doch die wahren Kosten verstecken sich oft im Kleingedruckten. Genau hier kommt das Produktinformationsblatt (PIB) (Muster) ins Spiel – ein gesetzlich vorgeschriebenes Dokument, das alle Versicherer in einheitlicher Form erstellen müssen.

Das Problem: Die meisten Verbraucher wissen nicht, wie sie das PIB richtig lesen und für einen echten Vergleich nutzen können. In diesem Ratgeber zeige ich dir Schritt für Schritt, welche Kennzahlen wirklich entscheidend sind, wie du Kostenfallen erkennst und warum das PIB gerade bei der Rürup-Rente so wichtig ist. Am Ende wirst du in der Lage sein, verschiedene Angebote objektiv zu vergleichen – und tausende Euro an unnötigen Kosten zu sparen.

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Produktinformationsblatt

Was ist das Produktinformationsblatt?

Das Produktinformationsblatt – kurz PIB – ist ein standardisiertes, zweiseitiges Dokument, das alle wesentlichen Informationen zur Basisrente (Rürup Rente) zusammenfasst. Es wurde eingeführt, um Verbrauchern einen objektiven Vergleich verschiedener Angebote zu ermöglichen.

Anders als die oft unübersichtlichen Versicherungsbedingungen oder die marketinggetriebenen Hochrechnungen der Anbieter folgt das PIB einem einheitlichen Schema. Das bedeutet: Egal ob du ein Angebot von Allianz, Alte Leipziger oder einem kleinen Direktversicherer erhältst – die Struktur ist immer gleich, die Berechnungsmethoden sind standardisiert.

Das PIB enthält auf einen Blick:

  • Produktbeschreibung und Funktionsweise
  • Chancen-Risiko-Klasse (CRK)
  • Basisdaten zum Anbieter
  • Steuerliche Förderung
  • Standardisierte Beispielrechnung
  • Garantierter Rentenfaktor
  • Effektivkosten
  • Einzelne Kostenbestandteile
  • Kündigungsbedingungen
  • Insolvenzschutz

💡 Tipp: Fordere das PIB immer VOR dem Beratungsgespräch an. So kannst du vorbereitet in die Beratung gehen und gezielt nachfragen.


Rechtlicher Hintergrund

Warum gibt es das PIB?

Das Produktinformationsblatt wurde mit dem Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz eingeführt und ist seit dem 1. Januar 2017 für alle zertifizierten Altersvorsorgeverträge verpflichtend. Die gesetzliche Grundlage bilden § 7 Abs. 1 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) sowie die Altersvorsorge-Produktinformationsblattverordnung (AltvPIBV).

Die Hintergründe für die Einführung waren:

  • Mangelnde Vergleichbarkeit: Vor dem PIB konnte jeder Anbieter seine Hochrechnungen nach eigenen Methoden erstellen. Das machte einen objektiven Vergleich praktisch unmöglich.
  • Verbraucherschutz: Die EU-Richtlinien forderten mehr Transparenz bei Finanzprodukten.
  • Kostenintransparenz: Viele Verbraucher unterschätzten die tatsächlichen Kosten ihrer Altersvorsorge massiv.

Für welche Produkte gilt die PIB-Pflicht?

Das PIB ist verpflichtend für alle zertifizierten Altersvorsorgeverträge nach dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz (AltZertG). Dazu gehören:

  • Rürup-Renten (Basisrenten)
  • Riester-Renten
  • Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

⚠️ Achtung: Private Rentenversicherungen ohne staatliche Förderung (Schicht 3) unterliegen nicht der PIB-Pflicht. Hier solltest du besonders genau auf die Kosten achten.


Aufbau des PIB im Detail

Das PIB ist auf exakt zwei DIN-A4-Seiten begrenzt und folgt einer festen Struktur. Lass uns die einzelnen Abschnitte durchgehen:

Seite 1: Produktbeschreibung und Rahmendaten

Produktbeschreibung

Im ersten Abschnitt wird die grundlegende Funktionsweise des Produkts erklärt. Dabei wird unterschieden zwischen:

  • Ansparphase: Wie werden deine Beiträge angelegt? Handelt es sich um ein klassisches Produkt mit Garantiezins, ein Hybridprodukt oder eine fondsgebundene Variante?
  • Auszahlungsphase: Wie erfolgt die Rentenzahlung? Bei der Rürup-Rente ist ausschließlich eine lebenslange Rente möglich – keine Kapitalauszahlung.

Basisdaten

Hier findest du allgemeine Informationen zum Produktanbieter: Name der Versicherungsgesellschaft, Anschrift und Kontaktdaten.

Steuerliche Förderung

Dieser Abschnitt informiert über die steuerliche Behandlung in beiden Phasen:

  • Ansparphase
  • Rentenphase

Seite 2: Kennzahlen und Kosten

Ihre Daten

Oben links auf Seite 2 findest du die individuellen Vertragseckdaten:

  • Monatlicher/jährlicher Beitrag
  • Vertragsbeginn und -ende
  • Aufschubdauer (Jahre bis zur Rente)
  • Garantiertes Kapital bzw. garantierte Rente
  • Garantierter Rentenfaktor

Beispielrechnung

Die Beispielrechnung ist das Herzstück für den Vergleich der Ablaufleistungen. Alle Versicherer müssen hier mit vergleichbaren Annahmen arbeiten. Leider gibt es einige Parameter, bei denen Versicherer immer noch Ergebnisse „schönen“ können (z.B. Annahme über Verzinsung in der Rentenphase, etc.)

Beispielrechnung

Effektivkosten

Die Effektivkosten ist DIE zentrale Vergleichskennzahl. Sie drücken alle Kosten des Vertrags in einer einzigen Prozentzahl aus. Mehr dazu im Abschnitt Effektivkosten.

Einzelne Kosten

Hier werden die Kostenbestandteile aufgeschlüsselt:

  • Abschluss- und Vertriebskosten (Provisionen)
  • Laufende Verwaltungskosten
  • Kosten bei Zuzahlungen
  • Fondskosten (bei fondsgebundenen Produkten)

Anbieterwechsel / Kündigung

Informationen zur Übertragbarkeit und den Kündigungsbedingungen. Bei Rürup-Verträgen ist kein klassisches Kündigungsrecht vorgesehen – du kannst den Vertrag aber beitragsfrei stellen. Leider unterstützen die wenigsten Produkte einen Anbieterwechsel. Der Gesetzgeber hat leider versäumt das zur Pflicht zu machen.

Absicherung bei Insolvenz

Deutsche Lebensversicherer unterliegen dem Schutz durch die Protektor Lebensversicherungs-AG, die im Insolvenzfall einspringt. Dies ist die deutsche Auffanggesellschaft für Versicherungen, ähnlich der Einlagensicherung bei Banken.


Die 5 wichtigsten Kennzahlen im PIB

Nicht alle Angaben im PIB sind gleich wichtig. Für einen effektiven Vergleich solltest du dich auf diese fünf Kennzahlen konzentrieren:

1. Effektivkosten

Was sie aussagen: Wie stark deine Rendite durch Kosten geschmälert wird.

Gute Werte: Unter 0,70%-0,50% bei Nettotarifenen

Schlechte Werte: Über 1,50% – bei Provisionstarifen oft 2,5% bis 3,5%.

2. Garantierter Rentenfaktor

Was er aussagt: Wie viel monatliche Rente du pro 10.000 € angespartem Kapital mindestens erhältst.
Der Rentenfaktor hängt von deinem Alter, Renteneitrittsalter sowie der Hinterbliebenenabsicherung für den Ehegatten ab. Folgende Werte beziehen sich auf eine Musterkundin (42jährige Person, Rente mit 67J., 10 Jahre Ehegattenabsicherung)

Gute Werte: Über 27 € pro 10.000 € Kapital.

Schlechte Werte: Unter 26 € pro 10.000 € Kapital.

3. Chancen-Risiko-Klasse (CRK)

Was sie aussagt: Welches Renditepotenzial und welches Risiko das Produkt bietet.

Empfehlung: CRK 5 für langfristige Anleger, die auf ETFs setzen wollen.

4. Ablaufleistung in der Beispielrechnung

Was sie aussagt: Wie viel Kapital du bei standardisierten Renditeannahmen ansparen könntest.

Wichtig: Vergleiche immer das gleiche Szenario (z.B. 5% Rendite) zwischen verschiedenen Anbietern.

5. Abschluss- und Vertriebskosten

Was sie aussagen: Wie viel von deinen Beiträgen direkt an den Vermittler fließen.

Gute Werte: 0 € bei Nettotarifen (du zahlst stattdessen ein separates Honorar).

Schlechte Werte: 2-4% der Beitragssumme bei Provisionstarifen.


Effektivkosten: Die wichtigste Vergleichskennzahl

Die Effektivkosten sind der Goldstandard zum Vergleich von Altersvorsorgeprodukten. Sie fassen sämtliche Kosten eines Vertrags in einer einzigen Kennzahl zusammen und zeigen dir, um wie viel Prozent deine jährliche Rendite durch die Kosten reduziert wird.

Effektivkosten

Wie Effektivkosten funktionieren

Die Berechnung folgt einem standardisierten Verfahren: Zuerst wird ermittelt, welche Ablaufleistung das Produkt bei einer bestimmten Bruttorendite (vor Kosten) erreichen würde. Dann wird geschaut, welche niedrigere Nettorendite nötig wäre, um nach Abzug aller Kosten dasselbe Ergebnis zu erzielen. Die Differenz sind die Effektivkosten.

Praktisches Beispiel:

Angenommen, dein Fonds erwirtschaftet 6% pro Jahr. Wenn dein Vertrag Effektivkosten von 2% hat, bleiben dir nur 4% Nettorendite. Bei einem günstigeren Tarif mit 0,6% Effektivkosten erhältst du hingegen 5,4% Nettorendite.

Was sind gute Effektivkosten?

KategorieEffektivkostenBewertung
Exzellentunter 0,50%Sehr günstige Nettotarife
Sehr gut0,50% – 0,80%Gute Nettotarife
Gut0,80% – 1,20%Durchschnittliche Nettotarife
Akzeptabel1,20% – 1,80%Günstige Provisionstarife
Teuer1,80% – 2,50%Teure Provisionstarife
Sehr teuerüber 2,50%Finger weg!

⚠️ Achtung: Viele provisionsbasierte Produkte haben Effektivkosten von 2,5% bis 3,5%. Das frisst über die Jahrzehnte einen enormen Teil deiner Rendite auf – wie das folgende Rechenbeispiel zeigt.

Was ist in den Effektivkosten enthalten?

Die Effektivkosten umfassen:

  • Abschluss- und Vertriebskosten
  • Laufende Verwaltungskosten des Versicherers
  • Fondskosten (TER der gewählten Fonds/ETFs)
  • Kosten für Garantien (bei Hybridprodukten)
  • Kosten für Zusatzversicherungen (z.B. BU-Zusatz)


Der garantierte Rentenfaktor: Warum er bei Rürup so wichtig ist

Bei der Rürup-Rente gibt es eine Besonderheit: Du kannst dein angespartes Kapital nicht auf einen Schlag auszahlen lassen. Es wird ausschließlich eine lebenslange Rente gezahlt. Deshalb ist der garantierte Rentenfaktor bei der Rürup-Rente wichtiger als bei jeder anderen Altersvorsorge.

Was ist der garantierte Rentenfaktor?

Der Rentenfaktor gibt an, wie viel monatliche Rente du pro 10.000 Euro angespartem Kapital erhältst. Er wird bei Vertragsabschluss festgelegt und gilt für die gesamte Vertragslaufzeit.

Beispiel: Bei einem Rentenfaktor von 25 € erhältst du für 100.000 € Kapital eine monatliche Rente von 250 € (100.000 / 10.000 × 25 = 250).

Garantierter vs. aktueller Rentenfaktor

Wichtig ist die Unterscheidung:

  • Garantierter Rentenfaktor: Der im PIB angegebene Wert, der dir vertraglich zugesichert wird. Dieser kann nicht gesenkt werden.
  • Aktueller Rentenfaktor: Der Wert, der aktuell bei Rentenbeginn angewendet würde. Oft höher als der garantierte.

Das Problem: Viele Versicherer locken mit hohen aktuellen Rentenfaktoren, garantieren aber nur sehr niedrige Werte. Die Differenz kann erheblich sein.

Was sind gute Rentenfaktoren?

RentenfaktorBewertung
über 28 €Exzellent
25 € – 28 €Sehr gut
22 € – 25 €Gut
20 € – 22 €Akzeptabel
unter 20 €Kritisch prüfen

⚠️ Warnung vor Treuhänderklauseln: Manche Versicherer behalten sich vor, den garantierten Rentenfaktor durch einen Treuhänder anpassen zu lassen. Solche Klauseln solltest du meiden – der „garantierte“ Rentenfaktor ist dann keine echte Garantie.

Vorsicht vor §163 VVG

Es gibt im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) den §163, der es den Versicherern ermöglicht den garantierten Rentenfaktor unter gewissen Umständen zu verändern. Eine Garantie ist nur so gut wie die Bonität des Garantiegebers. Daher solltest du neben dem garantierten Rentenfaktor auch auf die Gesellschaftsform sowie die Finanzstärke der Versicherung achten.

Mehr dazu findest du in diesem Artikel: Garantierter Rentenfaktor in der Basisrente – Ein wichtiges Entscheidungskriterium?

Chancen-Risiko-Klassen (CRK) erklärt

Die Chancen-Risiko-Klasse (CRK) ordnet jedes Altersvorsorgeprodukt in eine von fünf Kategorien ein. Sie gibt an, welches Renditepotenzial und welches Risiko mit dem Produkt verbunden ist.

Die 5 Chancen-Risiko-Klassen im Überblick

CRKBezeichnungAnlageformGarantieRenditeerwartung
1Sehr sicherheitsorientiertKlassisch100% der BeiträgeSehr niedrig
2SicherheitsorientiertKlassisch Plus80-100% der BeiträgeNiedrig
3Ausgewogen sicherheitsorientiertHybrid (3-Topf)50-80% der BeiträgeModerat
4Ausgewogen chancenorientiertHybrid (2-Topf)Unter 50% der BeiträgeMittel
5ChancenorientiertFondsgebundenKeine GarantieHoch

Welche CRK ist die richtige für dich?

CRK 1-2 (Klassische Produkte): Geeignet für sehr risikoscheue Anleger kurz vor der Rente. Problem: Im aktuellen Zinsumfeld sind die Renditen so niedrig, dass nach Kosten und Inflation oft ein realer Verlust entsteht.

CRK 3-4 (Hybridprodukte): Ein Kompromiss zwischen Sicherheit und Rendite. Problem: Die Garantie kostet erheblich Rendite. Bei langen Laufzeiten ist das selten sinnvoll.

CRK 5 (Fondsgebundene Produkte): Für langfristig orientierte Anleger die beste Wahl. Ohne Garantiekosten kann das gesamte Kapital in renditestärkere Anlagen wie ETFs fließen.

💡 Meine Empfehlung: Für Rürup-Sparer mit mindestens 15 Jahren bis zur Rente ist CRK 5 fast immer die beste Wahl. Die Garantiekosten bei CRK 1-4 fressen langfristig mehr Rendite, als sie an Sicherheit bieten. Bei einem weltweit gestreuten ETF-Portfolio hast du historisch betrachtet nach 15+ Jahren praktisch kein Verlustrisiko.

CRK und die Beispielrechnung

Die CRK beeinflusst auch die Beispielrechnung im PIB. Nur Produkte der CRK 5 zeigen alle vier Szenarien (-1%, 2%, 5%, 7%). Bei niedrigeren CRKs fehlen die optimistischen Szenarien – was die geringeren Renditechancen widerspiegelt.


Rechenbeispiel: So wirken sich unterschiedliche Effektivkosten aus

Zahlen sagen mehr als Worte. Schauen wir uns an, was Effektivkosten konkret bedeuten:

Ausgangssituation

  • Alter: 35 Jahre
  • Rentenbeginn: 67 Jahre (32 Jahre Laufzeit)
  • Monatlicher Beitrag: 400 €
  • Angenommene Bruttorendite: 6% p.a.

Szenario 1: Teurer Provisionstarif (2,5% Effektivkosten)

KennzahlWert
Nettorendite nach Kosten3,5% p.a.
Eingezahlte Beiträge153.600 €
Endkapital287.340 €
Renditeeinbußen durch Kosten178.660 €

Szenario 2: Günstiger Nettotarif (0,6% Effektivkosten)

KennzahlWert
Nettorendite nach Kosten5,4% p.a.
Eingezahlte Beiträge153.600 €
Endkapital416.580 €
Renditeeinbußen durch Kosten49.420 €

Der Unterschied

ProvisionstarifNettotarifDifferenz
Endkapital287.340 €416.580 €+129.240 €
Monatliche Rente (RF 25€)718 €1.041 €+323 €/Monat

📊 Das bedeutet: Durch die Wahl eines günstigen Nettotarifs hast du am Ende über 129.000 Euro mehr angespart. Das sind 323 Euro mehr Rente – jeden Monat, bis an dein Lebensende.

Selbst wenn du für den Nettotarif ein Honorar von 1.500 € an einen unabhängigen Berater zahlst, bleibt ein gigantischer Vorteil. Das Honorar hat sich nach wenigen Monaten Rentenbezug bereits amortisiert.


Praxisvergleich: PIB eines Provisionstarifs vs. Nettotarifs

Um die Unterschiede greifbar zu machen, hier ein beispielhafter Vergleich zweier PIBs für die gleiche Person (40 Jahre, 300 €/Monat, Rentenbeginn 67):

Vergleichstabelle der wichtigsten Kennzahlen

KennzahlProvisionstarifNettotarif
Effektivkosten2,31%0,58%
Garantierter Rentenfaktor18,50 €26,80 €
Abschlusskosten4.536 €0 €
Verwaltungskosten p.a.1,2% + 48 €/Jahr36 €/Jahr
Fondskosten0,8% – 1,5% (aktive Fonds)0,2% (ETFs)
CRK55
Ablaufleistung (5% Szenario)178.420 €231.780 €
Beispielrente (5% Szenario)330 €621 €

Was fällt auf?

Effektivkosten: Der Nettotarif ist rund 1,7 Prozentpunkte günstiger – das macht über die Laufzeit einen enormen Unterschied.

Rentenfaktor: Der Provisionstarif garantiert nur 18,50 €, der Nettotarif 26,80 €. Das sind 45% mehr Rente pro angespartem Euro!

Abschlusskosten: Beim Provisionstarif fließen über 4.500 € an den Vermittler. Beim Nettotarif zahlst du stattdessen ein transparentes Honorar (typisch: 500-1.500 €).

Fondsauswahl: Provisionstarife bieten oft nur teure, aktiv gemanagte Fonds. Nettotarife ermöglichen meist die Wahl günstiger ETFs.


Grenzen des PIB: Was es nicht zeigt

So hilfreich das PIB ist – es hat auch Grenzen. Für eine vollständige Bewertung solltest du zusätzlich auf diese Aspekte achten:

1. Flexibilität

Das PIB zeigt nicht:

  • Wie einfach du Beiträge anpassen kannst
  • Ob kostenlose Zuzahlungen möglich sind
  • Wie der Anbieterwechsel praktisch funktioniert
  • Ob du die Fondsauswahl ändern kannst

2. Fondsauswahl und -qualität

Das PIB nennt nur die Fondskosten, nicht aber:

  • Welche Fonds konkret verfügbar sind
  • Ob kostengünstige ETFs zur Auswahl stehen
  • Wie breit die Fondspalette ist
  • Ob ein freies Fondsdepot (beliebige ETFs) möglich ist

3. Service und Erreichbarkeit

Nicht erkennbar aus dem PIB:

  • Qualität des Kundenservice
  • Online-Verwaltung und Transparenz
  • Schnelligkeit bei Auszahlungen
  • Kompetenz bei Sonderfällen

4. Finanzstärke des Anbieters

Das PIB nennt zwar den Insolvenzschutz, aber nicht:

  • Aktuelle Finanzstärke-Ratings
  • Solvency-II-Quote
  • Langfristige Stabilität des Unternehmens

5. Rentenbezugsphase

Das PIB fokussiert auf die Ansparphase. Weniger transparent sind:

  • Überschussbeteiligung in der Rentenphase
  • Dynamisierung der Rente
  • Hinterbliebenenoptionen
  • Kosten in der Rentenphase

💡 Tipp: Nutze das PIB als Vorauswahl-Instrument, um die kostengünstigsten Tarife zu identifizieren. Für die Feinauswahl prüfe dann die Versicherungsbedingungen oder lass dich unabhängig beraten.


Häufige Fehler beim PIB-Lesen

Selbst wer das PIB aufmerksam liest, kann in Fallen tappen. Hier sind die häufigsten Fehler:

Fehler 1: Auf die Hochrechnung des Anbieters vertrauen

Viele Anbieter legen neben dem PIB eigene Modellrechnungen vor – oft mit optimistischeren Annahmen. Diese sind NICHT vergleichbar. Nutze ausschließlich die standardisierte Beispielrechnung aus dem PIB.

Fehler 2: Garantiertes und prognostiziertes Kapital verwechseln

Das PIB zeigt beide Werte: Das garantierte Kapital (Minimum) und das prognostizierte Kapital (bei angenommener Rendite). Bei fondsgebundenen Produkten kann das garantierte Kapital 0 € sein – das ist normal und kein Alarmsignal.

Fehler 3: Fondskosten vergessen

Die Effektivkosten im PIB enthalten zwar die Fondskosten, aber nur für eine bestimmte Fondsauswahl. Wenn du später andere Fonds wählst, können sich die Effektivkosten ändern. Bei Nettotarifen mit ETFs sind die Fondskosten oft deutlich niedriger als in der PIB-Berechnung angenommen.

Fehler 4: Den Rentenfaktor ignorieren

Viele schauen nur auf die Ablaufleistung und vergessen den Rentenfaktor. Doch bei Rürup ist er entscheidend: Zwei Verträge mit gleicher Ablaufleistung können völlig unterschiedliche Renten ergeben.

Fehler 5: Verschiedene CRK-Klassen vergleichen

Ein CRK-5-Produkt mit einem CRK-3-Produkt zu vergleichen ist wie Äpfel mit Birnen. Die Beispielrechnungen nutzen unterschiedliche Szenarien. Vergleiche nur innerhalb der gleichen CRK.

Fehler 6: Sich von niedrigen Effektivkosten bei Garantieprodukten täuschen lassen

Ein CRK-1-Produkt mit 1,0% Effektivkosten ist NICHT günstiger als ein CRK-5-Produkt mit 1,2% Effektivkosten. Die Garantiekosten sind in den Effektivkosten nicht vollständig sichtbar – sie drücken sich in der niedrigeren Renditechance aus.


Fazit

Das Produktinformationsblatt ist dein wichtigstes Werkzeug, um Rürup-Renten objektiv zu vergleichen. Mit dem Wissen aus diesem Ratgeber kannst du:

  1. Effektivkosten richtig einordnen – und erkennst, dass Werte über 1,5% auf teure Provisionstarife hindeuten.
  2. Den Rentenfaktor bewerten – und verstehst, warum er bei der Rürup-Rente wichtiger ist als bei jeder anderen Altersvorsorge.
  3. Chancen-Risiko-Klassen verstehen – und weißt, dass CRK 5 für langfristige Anleger fast immer die beste Wahl ist.
  4. Rechenbeispiele interpretieren – und siehst, dass der Unterschied zwischen einem teuren und einem günstigen Tarif über 100.000 € betragen kann.

Der wichtigste Tipp: Fordere immer mehrere PIBs an und vergleiche sie Zeile für Zeile. Nur so erkennst du, ob dir ein Vermittler einen fairen Tarif oder ein überteuertes Provisionsprodukt verkaufen will.

Provisionsfreie Nettotarife mit ETF-Anlage bieten in der Regel die besten Konditionen: niedrige Effektivkosten unter 1%, hohe garantierte Rentenfaktoren und maximale Flexibilität bei der Fondsauswahl.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wo finde ich das PIB zu meinem Rürup-Vertrag?

Das PIB muss dir VOR Vertragsabschluss ausgehändigt werden. Bei bestehenden Verträgen kannst du es jederzeit bei deinem Versicherer anfordern – entweder im Online-Kundenportal oder per E-Mail/Telefon. Wenn dir ein Angebot ohne PIB vorliegt, ist das ein Zeichen für Unseriösität. Du solltest es unbedingt beim Berater anfragen!

Kann ich das PIB vor dem Beratungsgespräch anfordern?

Ja, das ist sogar empfehlenswert. Seriöse Vermittler stellen dir das PIB auf Anfrage vorab zur Verfügung. Wenn ein Vermittler das ablehnt, ist das ein Warnsignal.

Was sind gute Effektivkosten bei der Rürup-Rente?

Für fondsgebundene Rürup-Renten (CRK 5) gelten Effektivkosten unter 0,70% als gut, unter 0,50% als sehr gut. Werte über 2,0% deuten auf teure Provisionstarife hin.

Muss jeder Anbieter ein PIB erstellen?

Ja, für alle zertifizierten Altersvorsorgeverträge (Rürup, Riester, bAV) ist das PIB gesetzlich vorgeschrieben. Jeder Anbieter muss es in einheitlicher Form erstellen und vor Vertragsabschluss aushändigen.

Wie oft wird das PIB aktualisiert?

Das PIB wird individuell für jede Angebotsanfrage erstellt und enthält deine persönlichen Daten (Alter, Beitrag, Laufzeit). Bei bestehenden Verträgen wird es typischerweise einmal jährlich aktualisiert und kann im Kundenportal abgerufen werden.

Warum unterscheiden sich die Rentenfaktoren so stark zwischen Anbietern?

Die Rentenfaktoren basieren auf unterschiedlichen Rechnungsgrundlagen: Sterbetafeln, Zinsprognosen und Sicherheitspuffer. Konservative Anbieter kalkulieren vorsichtiger und bieten niedrigere Garantien. Entscheidend ist: Ein niedriger garantierter Rentenfaktor bedeutet ein höheres Risiko für dich.


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Bijan Kholghi ist Certified Financial Planner (CFP©) &
Honorar-Finanzanlagenberater. Seine Beratungsschwerpunkte sind
Vermögensanlagen sowie Vorsorgelösungen auf Nettobasis (ohne Provisionen).
Seit über 24 Jahren stellt er als selbständiger Berater die Interessen
seiner Kunden in den Mittelpunkt seiner Beratung.
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Bijan Kholghi